Reihe: Forum Musikwissenschaft

herausgegeben von Peter Ackermann

 

 

 

Das Potpourri und Richard Wagner

Burkhard Egdorf, 2012

 

 

 

Inhalt: Die vorliegende Studie in drei Bänden beschäftigt sich mit einem der ehemals populärsten Genres der jüngeren Musikgeschichte, dem Potpourri, speziell dem Wagner-Potpourri. Während sich die Literatur über den Bayreuther Meister nachgerade im nur noch schwer überschaubaren Bereich bewegt, ist die musikwissenschaftliche Literatur über das Potpourri eher spärlich. Dies liegt sicherlich daran, dass das Potpourri gewissermaßen Musik „aus zweiter Hand“ ist und deswegen einen ästhetisch niedrigeren Wert gegenüber der „autonomen“ Musik hat, also zur populären Musik gezählt wird. Opernpotpourris für Klavier zweihändig und/oder vierhändig wurden von professionellen Arrangeuren quasi fabrikmäßig gefertigt, massenhaft von kleinen und großen Verlagen vertrieben und schmückten so in der Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges die Notenpulte häuslicher Klaviere. Durch Potpourris verbreitete sich die Musik der Opern von Mozart bis Weber, von Rossini bis Gounod, von Verdi bis Wagner und vielen anderen Werken, die heute bestenfalls nur noch namentlich bekannt sind.

 

         In Potpourris speziell aus Werken Richard Wagners trifft weihevoll autonome Hoch-, ja Elitenkultur, mit einer typischen und zumeist negativ konnotierten Form der Unterhaltungs- bzw. Gebrauchsmusik zusammen. Dies macht den Gegenstand dieser Forschungsarbeit so spannend. Wagner und das Potpourri scheinen aus heutiger Sicht unvereinbar zu sein. Die Konzeption des musikalischen Gesamtkunstwerkes und das Prinzip „best of“ des „Musical Digist“ stehen sich an sich unversöhnlich gegenüber und doch gab es gerade Potpourris aus Wagner-Opern zuhauf. Die Zahl der Arrangeure und auch die Zahl der Verlage dieser Bearbeitungen sind erstaunlich hoch. Es muss also eine gemeinsame Schnittmenge zwischen dem komplexen Original und dem tendenziell vereinfachenden Arrangement geben.

 

         Das Wagner-Potpourri, gleich ob für Klavier, Kammermusik, Salonorchester oder andere Besetzungen, spiegelt jene Musik Wagners die aus dem dramatischen Zusammenhang isoliert bzw. – salopp gesagt – „herausgerissen“ werden konnte. Wagner-Potpourris stellten insbesondere Amateuren eine Auswahl populärer Stellen aus dem Werk Wagners zur Verfügung und popularisierten gleichzeitig ein verengtes Wagnerbild. Die in den Bänden 2b und 2c beschriebenen Analysen von über 160 Wagnerbearbeitungen aus der Zeit zwischen 1850 und 1925, Arrangements der Werke vom Rienzi bis zu Parsifal, zeigen, in welchen Ausschnitten die Musik Wagners im 19. Jahrhundert verbreitet wurde, mit welcher Musik sich der Komponist bekannt machen konnte, und sie offenbaren, dass Richard Wagners Bühnenwerke eine Vielfalt von Bearbeitungsmöglichkeiten zulassen. Bekanntlich hat Wagner sich von den traditionellen Formen, die die Oper über Jahrhunderte bestimmten, verabschiedet und die Grenzen zwischen Rezitativ und Arie, wenn nicht aufgehoben, so doch zumindest verwischt. Die Arrangeure der unzähligen Potpourris und kleinen und großen Opern-Fantasien machten es vor, wie aus der „unendlichen Melodie“ ein kleinteiliger Melodienreigen gemacht werden konnte. Andererseits verschafften gerade die Potpourris breiteren Schichten der Bevölkerung einen Zugang zu Wagner, der ihnen sonst verwehrt gewesen wäre. Wagners Musik konnte als Auszug und in Ausschnitten zuhause gespielt werden oder sie erklang im Gartenlokal, auf dem Marktplatz etc., neben dem privaten also auch im öffentlichen Raum.

 

         Richard Wagner war ein Theaterpraktiker, der zwar im Laufe seines Lebens, nachdem er von König Ludwig II. großzügig ausgestattet war, seine künstlerischen Ideale ziemlich kompromisslos verwirklicht sehen wollte, selbst aber ein großes Interesse an der Verbreitung und Vermarktung seiner Musik hatte. Wie stand er generell zum Arrangement? Half er selbst aktiv bei der Verbreitung seiner Werke? Auch in dieser Untersuchung zeigt sich, dass Richard Wagner eine durch und durch ambivalente Persönlichkeit war. Die Studie „Das Potpourri und Richard Wagner“ ist also ein Beitrag zur Geschichte eines vernachlässigten musikalischen Genres aus dem Bereich der populären Musik, ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte der Musik Richard Wagners und zudem eine Auseinandersetzung mit grundsätzlichen ästhetischen Fragestellungen zum Komponieren Wagners. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob und inwieweit Wagners Musik selbst potpourrihafte Züge enthält. Die Ästhetik des Wagner-Potpourris offenbart Korrespondenzen zwischen Wagners entwickelter Kompositionstechnik und den Erfordernissen des Potpourris. Letztlich zeigt die Analyse der potpourrihaften Wagner-Bearbeitungen, dass deren Qualität deutlich höher ist, als man gemeinhin denken könnte, dass es zu einfach wäre, sie pejorativ als „Trivialmusik“ abzutun, sondern dass sie im Gegenteil häufig ein Instrument musikalischer Bildung, teils aber auch Halbbildung darstellten.

 

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  • Band 2a
    Das Potpourri und Richard Wagner - Darstellungsteil

     

Autor: Burkhard Egdorf

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag:Musikverlag Burkhard Muth, Fernwald

ISBN: 978-3-929379-30-3

 

 

 

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  • Band 2b
    Das Potpourri und Richard Wagner - Analysen 1

     

Autor: Burkhard Egdorf

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag:Musikverlag Burkhard Muth, Fernwald

ISBN: 978-3-929379-30-3

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

 

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  • Band 2c
    Das Potpourri und Richard Wagner - Analysen 2

     

Autor: Burkhard Egdorf

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag:Musikverlag Burkhard Muth, Fernwald

ISBN: 978-3-929379-30-3

 

 

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